„Es ist unvernünftig, aus Sorge vor einer abklingenden Pandemie andere Erkrankungen zu riskieren“

Dr. Ewald Wöll, ärztlicher Direktor im Krankenhaus Zams, ruft die Bevölkerung dazu auf, aufgeschobene Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen möglichst bald nachzuholen. Im Interview betont er, dass Krankenhaus und niedergelassenen Ärzte bedenkenlos aufgesucht werden können. Zudem warnt der Leiter der Inneren Medizin vor den ernsthaften Folgen übersehener Symptome und verdrängter Beschwerden.

Herr Dr. Wöll, manche Menschen zögern noch immer, aufgeschobene Untersuchungen oder Behandlungen wahrzunehmen. Mitunter wohl aus Sorge vor einer Corona-Infektion. Sind diese Befürchtungen berechtigt?
Dr. Ewald Wöll: „Nein, es gibt keinerlei Anlass zu dieser Form von Sorge. Auch am Höhepunkt der Pandemie bestand kein Grund zur Annahme, man könne sich im Spital leichter anstecken. Im Gegenteil: Durch die kontrollierten Verhältnisse und die hohen Hygiene-Auflagen ist das Krankenhaus sogar sicherer als viele andere Bereiche im ‚Zivilleben'. Mittlerweile ist es durch gezielte Information gelungen, vermehrt Sicherheit im Umgang mit der Situation zu vermitteln. Die erforderlichen Maßnahmen sind ein Stück weit notwendige Normalität geworden. Ängste weichen zunehmend gesunder Achtsamkeit. Dennoch beobachten wir mit wachsender Sorge, dass viele Menschen ihre ernst zu nehmenden Symptome nicht als solche einschätzen und den Krankenhaus- oder Arztbesuch aufschieben."


Wie problematisch ist der Rückstau bei den Vorsorge-Untersuchungen und Routineeingriffen?
Dr. Ewald Wöll: „Wir haben während des Lockdowns selbstverständlich alle akuten und unaufschiebbaren Termine wie etwa Chemotherapien oder dringende Operationen wahrgenommen. In dieser Phase ist kein gesundheitlicher Schaden erwachsen. Wir beobachten jedoch eine klar erkennbare Tendenz auf Seiten der PatientInnen, Beschwerden zu ignorieren und die Abklärung weiter aufzuschieben. Das kann mittlerweile tatsächlich zu ernsthaften Folgen führen. Ich warne davor, aus unbegründeter Angst medizinische Abklärungen und Behandlungen weiter zu verzögern."


Vorsorge war schon vor Corona nicht unbedingt eine übertrieben häufig genutzte Möglichkeit, um sich vor Erkrankung zu schützen. Gerade Männer gelten in dieser Hinsicht als regelrechte Muffel.
„Dabei tragen Vorsorge und frühzeitige Therapie von Erkrankungen einen wesentlichen Anteil am Erhalt der eigenen Gesundheit. Ein nicht therapierter Bluthochdruck kann beispielsweise zu massiven Folgen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt führen, ein Dickdarmpolyp kann sich unentdeckt zu Dickdarmkrebs entwickeln. Man muss das klar benennen: Es ist ein Fehler, sich aus Scheu oder Angst vor Covid 19 davon abhalten zu lassen, den Weg ins Krankenhaus bzw. zum niedergelassenen Arzt zu suchen. Das Risiko etwas zu verabsäumen ist momentan wesentlich höher als das Risiko, sich einer Infektion auszusetzen."


Welche Vorsichtsmaßnahmen setzen Sie weiterhin?
„Vorsorglich werden weiterhin alle PatientInnen, die einer stationären Behandlung bedürfen, getestet. Nach wie vor sind zur Vorbeugung der Neuinfektionen auch die verordneten Besuchsverbote in Kraft. Im Krankenhaus werden seit jeher strengste Hygienemaßnahmen befolgt. Auch zur Vermeidung der Ansteckung durch andere, bereits bekannte Infektionserkrankungen gelten strikte Hygienevorschriften. Händewaschen, Desinfektion, das Tragen von Handschuhen sowie Mundschutz und Schutzbekleidung gehören zum professionellen Alltag im Umgang mit PatientInnen. Nicht zuletzt gehört dazu,soweit möglich, auch das Befolgen der Abstandsregel."


Erfolgte die Umstellung auf Terminambulanzen auch vor diesem Hintergrund?
„Diese Umstellung war im Zuge unseres Neubaus ohnehin vorgesehen. Mit viel internem Aufwand wurde dieser notwendige Schritt für sämtliche Ambulanzen nun ein Jahr früher als geplant realisiert. Wir ermöglichen damit ein patientenfreundliches System, das deutlich verkürzte Wartezeiten mit sich bringt. Akut- und Plan-Patientinnen können nun getrennt behandelt werden. Weiters lässt sich der Zustrom in die zentrale Aufnahme und Notfallambulanz optimal regulieren und die verordneten Abstandsregeln im Wartebereich leichter einhalten. Das ist ein positiver Nebeneffekt"


Sie müssen nun mit der paradoxen Situation umgehen, dass gerade diese sichtbaren Anzeichen des Schutzes bei besorgten Gemütern eine erhöhte Risikowahrnehmung hervorrufen.
Dr. Ewald Wöll: „Viele dieser Regelungen sind derzeit auch allgemein einzuhalten, vom Supermarkt bis zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir sind in der glücklichen Lage, dass sich die Zahlen als Folge der gezielten Maßnahmen und der hohen Kooperationsbereitschaft der Bevölkerung günstig entwickelt haben. Es ist jedoch wichtig, die Hygienevorgaben weiter mitzutragen und zu pflegen, um die Situation auf diesem Niveau zu halten. In den Gesundheitseinrichtungen ebenso wie außerhalb. Ich möchte allerdings erneut davor warnen, dies irrtümlich als Hinweise auf eine besondere Gefahrenumgebung zu interpretieren. Gerade im medizinischen Umfeld. Ich kann mich nur wiederholen: Die negativen Folgen verabsäumter Vorsorge- oder Untersuchungstermine sind wesentlich riskanter."


Was würden Sie hartnäckigen Skeptikern mit auf den Weg geben wollen?
„Die Intensivstation des Krankenhaus Zams ist erstmals seit ca. zwei Monaten Covid-frei. Auch die Covid-Station selbst war zuletzt nur noch mit einigen wenigen PatientInnen belegt, die nicht mehr infektiös sind und wegen anderer Beschwerden behandelt wurden. In den beiden Bezirken Imst und Landeck waren rund um den 15. Mai nur noch 9 Personen aktiv mit Covid 19 infiziert. Dennoch bleibt das Niveau der Hygienemaßnahmen weiterhin hoch. Unter diesen guten Voraussetzungen sollen zum Schutz der eigenen Gesundheit Termine im Krankenhaus, aber genauso bei niedergelassenen Ärzten unbedingt wieder wahrgenommen werden. Es ist unvernünftig, aus übersteigerter Sorge vor einer abklingenden Pandemie eine andere Erkrankung zu riskieren."

Danke für das Gespräch.

Bildnachweis: Krankenhaus St. Vinzenz Zams/ Mathias Brabetz


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